Geschichte Nordsardiniens

Altsteinzeit
Einige Funde von Steinwerkzeugen in Nordsardinien (bei Perfugas) belegen, dass Sardinien bereits vor mehr als 150.000 Jahren besiedelt war. Wahrscheinlich sind Menschen während der Riss-Eiszeit über eine Landbrücke eingewandert und besiedelten die Insel. Weitere Funde von menschlichen Knochenfragmenten und bearbeiteten Tierknochen bei Oliena, dass sich ebenfalls im Inselinnern in Nordsardinien befindet, werden auf ca. 20.000 bis 15.000 v.Chr. datiert.
Jungsteinzeit
Die Kultur der Ozieri hat sich als früheste Zivilisation auf Sardinien in der Zeit zwischen 3300 und 2.500 v.Chr. ausgebreitet. Diese Zivilisation erhielt ihren Namen aufgrund der ersten Funde in der Grotta di San Michele bei Ozieri. Dabei handelt es sich um kunstvoll verzierte Keramikgefäße, weibliche Figuren, Steingefäße und Steinwerkzeuge. Die Domus de janas und Menhire sind die wichtigsten Zeugnisse dieser Kultur. Wobei es sich bei den Domus de janas (wahrscheinlich „Haus des Übergangs“ von dem sardischen Begriff „jánna“ oder auch „Feenhaus“ von dem Begriff „jána“ , was Fee bedeuten soll, abgeleitet) um Felskammergräber und bei den Menhiren um große aufgerichtete Steine (Monolithen) mit religiöser Bedeutung handelt. Die Spuren dieser Zivilisation, sind fast auf ganz Sardinien zu finden. Fast zeitgleich hat sich eine weitere Zivilisation in Nordsardinien entwickelt. Die Zeugnisse dieser Kultur sind in der Gallura bei Arzachena (Kultur von Arzachena) zu finden. Hierbei handelt es sich um große Steinkreisgräber.
Nuraghenkultur
Die wohl größte Kultur der frühen Zivilasationen Sardiniens ist die Nuraghenkultur, die sich 1855 bis 238 v.Chr. ausbreitete. Der Name geht auf den altsardischen Ausdruck „nuraghe“ zurück. Dabei bedeutet „nur“ Feuer, Höhle oder auch hoher Steinhaufen. Um die 7000 kegelförmiger Steintürme entstanden auf Sardinien und auch in Nordsardinien sind einige mehr oder weniger gut erhaltene dieser Steintürme zu finden. Es handelt sich um kegelförmige Türme bei denen unregelmäßige Natursteine mörtellos aufgeschichtet wurden. Weitere typische Merkmale der Nuraghenkultur sind Brunnenheiligtümer, von denen auf der Insel ca. 50 bekannt sind und Gigantengräber. Dabei handelt es sich um Massengräber, in denen etwa 200 Menschen beerdigt wurden.
Eine längliche Kammer bildet das eigentliche Grab, wobei sich an der Stirnseite ein halbrunder Vorplatz befindet. Dieser wird von großen Steinen in einer Reihe begrenzt. Mittelpunkt dieser Steinreihe bildet eine Stele als Rundbogenportal. In Bodennähe befindet sich eine kleine Öffnung, die als Zugang zum Grab diente. In Nordsardinien kann man einige der schönsten Gigantengräber besichtigen, Li Lolghi und Coddu Vecchiu. Diese sind in der Gallura in der Näche von Arzachena zu finden. Insgesamt sind über 500 solcher Gräber auf Sardinien bekannt. Die archiologischen Stätten zeigen, dass die Menschen der Nuraghenkultur keine Städte bauten. Ausgrabungen zeigen Reste von Dörfern, welche sowohl bei den Nuraghen als auch frei in der Landschft oder um Kultstätten zu finden sind. |
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Mit der Ankunft der Phönizier zwischen 1100 und 1000 v.Chr. begann ein weiterer wichtiger Abschnitt in der Geschichte von Norsardinien.
Die ältesten Spuren sind in Nora im Süden von Sardinien und in Nordsardinien im Raum Alghero zu finden.
Weitere phönizische Städte wurden vor allem im Süden Sardiniens gegründet, wie z.B. Tharros, Sulci, Karales, Bithia und Cornus. Sie entstanden meist in den vorher gegründeteten Handelshäfen.
Von dort aus wurde mit den Nuraghern und dem gesamten Mittelmeerraum Handel getrieben.
Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Nuraghern und Phöniziern gab es nicht, was wahrscheinlich auf die Größe Sardiniens und auf die wirtschaftlichen und handelspolitischen Interessen zurückzuführen ist.
In die Zeit der Phönizier fällt auch die erste schriftliche Erwähnung Sardiniens „Shrdn“ in der phönizischen Inschrift der Norastele, die zwischen 900 und 800 v.Chr. datiert. Die Kartharger erobern Sardinien zwischen 520 – 510 v.Chr. Deren Herrschaft wird von den Römern zunächst anerkannt, nach den Punischen Kriegen (238 v.Chr.) fällt diese jedoch an die Römer. Allerdings folgen noch gut 200 Jahre erbitteter Auseinandersetzungen, bevor die Römer die ganze Insel in ihre Gewalt bringen konnten. |
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177 v. Chr. wird Sardinien römische Provinz.
Die Spuren der Römer in Nordsardinien findet man in der Nähe von Santa Teresa di Gallura, z.B. auf Capo Testa im Valle della Luna, welches als Granitsteinbruch diente.
Davon zeugen riesige teilweise bearbeitete Granitfelsblöcke am Eingang des Valle della Luna. Einige Säulen des Pantheons in Rom stammen wahrscheinlich von Capo Testa.
Auch die Pisaner benutzten diesen Steinbruch für die Säulengalerien des Doms von Pisa. Am Strand von Monachina auf Capo Testa liegen Reste römischer Säulen im Wasser.
Hier lohnt es sich für Wasserliebhaber zu Schnorcheln und die faszinierende Unterwasserwelt Nordsardiniens zu entdecken. Zwischen den Römern und den sardischen Gebirgsstämmen kommt es immerwieder zu Aufständen.
Die Sarden verlieren dabei 12.000 Mann, wie römische Quellen belegen. Cagliari (früher Karales) erhält 46 v.Chr. von Cäsar das römische Bürgerrecht. 27 v. Chr. wird Sardinien unter Kaiser Augustus senatorische Provinz und von einem Prokonsul verwaltet und 7 n. Chr. wegen erneuter Unruhen direkt dem Kaiser unterstellt.
Die wichtigsten Orte mit römischer Geschichte sind Cagliari im Süden der Insel und das heutige Porto Torres in Nordsardinien, welches von römischen Siedlern im 1. Jahrhundert v.Chr. gegründet wurde. Die Stadt besaß das römische Bürgerrecht und hatte eine Schiffsverbindung nach Rom und war somit wichtigster Handelsplatz in Nordsardinien.
In Porto Torres können die Reste eines Palazzo, einer Thermenanlage mit Aquädukt und eine Brücke besichtigt werden. |
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Sardinien ist zu dieser Zeit in etwa vier gleichgroße Teile gegliedert, wobei Nordsardinien ausTorres (oder Logudoro) im Nordwesten und Gallura im Nordosten besteht.
Südsardininen setzt sich aus den Gebieten Cagliari und Arborea zusammen. Die Territorien werden durch sardische Adlige regiert, welche als „Richter“ (von „judices“ und sardisch „iudikes“) bezeichnet werden.
Diese vier Gebiete werden daher als Judikate bezeichnet.
Richter aus dem Judikat Torres in Nordsardinien holen im 11. Jahrhundert Mönche auf die Insel, um die Landwirtschaft anzukurbeln. Damit beginnt die Verbreitung von Mönchsorden, die Sardinien intensiver landwirtschaftlich bewirtschaften.
Einige große mittelalterliche Kirchen beherrschen heute noch Landstriche Sardiniens.
Im 11. Jahrhundert erheben die Seerepubliken Genua und Pisa Anspruch auf Sardinien und geraten darüber in Streit.
Kaiser Friedrich I. teilt Sardinien daraufhin in zwei Teile. Dabei wird Nordsardinien in der folgenden Zeit hauptsächlich durch Pisa regiert und der Süden durch Genua. |
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Spanisch-Aragonische Herrschaft.
Ende des 13. Jahrhunderts wird Sardinien durch Papst Bonifaz VIII. Aragonien zugesprochen und zwischen mächtigen aragonischen Familien aufgeteilt.
Es gibt zu dieser Zeit ein sardisches Parlament, welches aus drei Ständen besteht, die den Adel, Klerus und die größten Städte Sardiniens vertreten.
Die Feudalherrschaft der Aragonier hält bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Durch die Vereinigung der aragonischen und spanischen Krone wird Sardinien spanisch.
Die Spuren dieser Zeit sind nicht nur in Nordsardinien, sonder in ganz Sardinien an der Errichtung von Adelshäusern, Befestigungsanlagen, wie Kastellen, Bastionen, Küstenwachtürme und Stadtmauern abzulesen. |
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